Plattentipps

Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger.

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Markus empfiehlt

JACK WHITE – Frozen Charlotte

Seit dem Erscheinen von Jack White’s aktuellem Album „Frozen Charlotte“ ist es wieder passiert, wie bei fast seinen Alben davor…nämlich, dass es bei mir tatsächlich permanent hoch und runter läuft. Ich frage mich jedes Mal, was es ist, das mich in Jack Whites Alben so hinein saugt. Ich vermute, es ist dieser rohe, rastlose Rock’n’Roll mit seinem bis ins Extreme ausgereizten Gitarrensound, die Soli teilweise nahe an der Schmerzgrenze und die Texte archaisch bis dadaistisch. Jack White ist für mich der innovativste und kreativste Vertreter des Blues-Rock, wie er heute gespielt wird. Seit der Auflösung der White Stripes hat Jack White einige Soloalben publiziert, alle extrem gut produziert und stilistisch so, dass man Whites Handschrift immer und überall heraushört. „Frozen Charlotte“ nun ist fast noch „garagenhafter“ und „rudimentärer“, als die Alben davor. Er übersteuert, gibt den Songs wilde Tempiwechsel und schert sich einfach nicht um Konventionen. Es ist diese Unabhängigkeit und Freiheit, die Jack White für mich so faszinierend macht. Das Album ist kompromisslos und trotz der Wildheit sehr klar strukturiert, eben nach Jack Whites Verständnis von Rock’n’Roll und Blues. Anspieltipps wären „There’s Nobody There“, „Nobody Knows“ oder „Neighbors Blues“
Cover von JACK WHITE – Frozen Charlotte
Holger empfiehlt

NILS LANDGREN – 70 (Jazz at Berlin Philharmonic XIX)

Am 15.02.2026 feierte Nils Landgren, der Mann mit der roten Posaune, seinen 70. Geburtstag. Neben der Veröffentlichung seines Orchesteralbums „Love of my Life“ bekam Landgren von seinem Label-Chef, Freund und Förderer Siggi Loch noch ein besonderes Geschenk. Er bekam einen Abend in der ACT-Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ geschenkt. Zu dieser wundervollen Geburtstagssause spielte eine ACT-Allstar-Band mit Nils Landgren zusammen (Michael Wollny-Klavier, Wofgang Haffner – Schlagzeug, Lars Danielsson – Bass), die von der Sängerin China Moses und Magnus Lindgren als Saxofonist und Arrangeur des Ganzen ergänzt wurde. Als Kirsche auf der Geburtstagstorte spielte noch ein Bläserensemble aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bei diesem Konzert mit -großartig! Das Ganze wurde dann ein soulig-funkiges Konzertereignis bei dem am Ende die ganze Berliner Philharmonie tanzte. Das Konzert wurde nun auf CD und einer natürlich roten Doppel-Vinyl veröffentlicht und wer in Berlin nicht dabei sein konnte, kann jetzt das Konzert nachhören und zu Hause tanzen – probiert es aus!
Cover von NILS LANDGREN – 70 (Jazz at Berlin Philharmonic XIX)
Tom empfiehlt

MAN/WOMAN/CHAINSAW - Cannonball

Man/Woman/Chainsaw ist eine sechsköpfige Band aus London, die vom New Musical Express schon 2025 aufgrund einer Handvoll hervorragender Singles und Club-Konzerte zu den Essential Emerging Artists gezählt wurde. Es gibt keinen festen Sänger, den Gesang übernehmen Bassistin Vera Leppänen, Keyboarderin Emmie-Mae Avery und Gitarrist Billy Ward teilweise alleine, teilweise zusammen. Komplettiert wird die Band durch Clio Starwood an der Violine, Schlagzeugerin Lola Cherry und Gitarrist Billy Doyle.

Mit ihrem Debüt lassen sie keinen Zweifel daran, zu Recht dort genannt worden zu sein. "Cannonball" bietet eine enorme stilistische Bandbreite, die durch die Textur ihrer Arrangements, die Ehrlichkeit der Instrumentierung ohne digitalen Schnickschnack und keine Scheu vor großen Gesten getragen wird. Ein Taumel durch zuckersüße Indiepop-Perlen und herzzerreißende Balladen, von groovigen Tanznummern zu den Momenten, in denen Gitarrist Billy Ward zur perfekten Mischung zwischen dem frühen Nick Cave und Warhaus wird. Ein Album, das dich singen, tanzen, zittern und weinen lässt.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und sage: von dieser Band werden wir wohl noch öfter hören. „Cannonball“ gehört auf jeden Fall jetzt schon zu meinen Lieblingsplatten des Jahres.
Cover von MAN/WOMAN/CHAINSAW - Cannonball

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